Simplicius Simplicissimus | Theater Osnabrck 2012
Kritiken
Musikalische Leitung:
Herrmann Bumer

Regie:
Jochen Biganzoli

Bhne und Kostme:
Andreas Wilkens
Foto Jrg Landsberg
Mitwirkende
Simplicius Simplicissimus | Theater Osnabrck 2012

() Regisseur Jochen Biganzoli erweitert das zu einer monumentalen Zeitreise, die noch zur Ouvertre wie einst Peter Konwitschnys Lohengrin im Wilhelminischen Klassenzimmer ihren Ausgang nimmt.
ber die drei Bilder der Oper verwandelt sich dieses zuerst in ein Gefilde aus Grimmelshausens 17. Jahrhundert, dann in die unwirtliche Zufluchtssttte eines Verfolgten des totalitren Zeitalters und schlielich in ein modernes Militrlager. Hier wird der Krieg als frivoler TV-Rausch der Extraklasse gefeiert. Doch soll man sich vom medialen Schein nicht tuschen lassen. Wenn der Regisseur in Abweichung vom Libretto zuletzt auch noch den Simplicius dahinschlachten lsst, raubt das dem Stck jede Hoffnung. Fr Biganzoli triumphieren die Henker ber ihre Opfer endgltig. Hartmann verstand seine Oper noch als eine Gegenaktion, Krieg und Tod sollten nicht das allerletzte Wort behalten, Simplicius soll berleben. Aber wer genau auf die Musik hrt, ortet eine melancholische Tiefenschicht, die Biganzoli mit seinem pessimistischen Schluss nun auch auf der Bhne kenntlich macht. Selbst wer mit solch einer Interpretation hadert, wird durch sie ins Nachdenken gezogen, ber die verzweifelte Lage des Menschen, ber die vielen Masken des Krieges und nicht zuletzt ber den groen Humanisten Hartmann, und dies alles kann nur fr die Produktion sprechen. Mit der Ansetzung von Simplicius Simplicissimus hat Ralf Waldschmidt der Friedensstadt Osnabrck seine Referenz erwiesen und mit der Verpflichtung von Jochen Biganzoli und Andreas Wilkens (Bhne und Kostme) eine Werkdeutung ermglicht, von der jetzt schon gesagt werden darf, dass sie ihren Platz in der Inszenierungsgeschichte dieser Oper haben wird.
Oper und Tanz, Februar 2012